Nachhaltigkeitsziel 12: nachhaltiger Konsum und Produktion

Nachhaltigkeitsziel 12: nachhaltiger Konsum und Produktion

Die 17 Nachhaltigkeitsziele der Vereinten Nationen

Am 28. Februar fand an der Kieler Universität ein großer BNE-Kongress für Schülerinnen und Schüler sowie Lehrkräfte statt. In mehr als 30 Workshops zu den 17 Nachhaltigkeitszielen der Vereinten Nationen haben sich die Kinder und Jugendlichen mit den Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern ausgetauscht und diskutiert. In den nächsten Wochen wollen wir mit Euch tiefer in diese Nachhaltigkeitsziele eintauchen und Euch exemplarisch zeigen, welche Forschungsprojekte oder Angebote es in Kiel zu den einzelnen Themen bereits gibt. Außerdem freuen wir uns auf Eure Ideen zum Thema.

Ökolabel, nachhaltiger Konsum und nachhaltige Lebensstile – Tobias Schnell forscht zum Nachhaltigkeitsziel 12

Hallo, mein Name ist Tobias Schnell. Ich bin wissenschaftlicher Mitarbeiter und Doktorand im Fach Soziologie an der Uni Kiel. Dort forsche und lehre ich zu Nachhaltigkeit in gesellschaftlicher Perspektive und konzentriere mich dabei insbesondere auf das Nachhaltigkeitsziel (SDG) 12. Dieses zielt darauf ab, nachhaltige Produktions- und Konsumweisen zu entwickeln. Nachhaltiger Konsum setzt aber voraus, dass in der Bevölkerung auch ein Bewusstsein für die Zusammenhänge von Konsum und Nachhaltigkeit existiert.

Das SDG 12 und Ökolabel zwischen Greenwashing und Entscheidungshilfe

Meine Forschung setzt genau hier an: was ist überhaupt nachhaltiger Konsum aus gesellschaftlicher Sicht? Gibt es möglicherweise nachhaltige Lebensstile, die auch die Erreichung des SDG 12 erleichtern? Welche Hilfsmittel stehen uns für nachhaltige Konsumentscheidungen zur Verfügung? Wie können diese Hilfsmittel (besser) verstanden werden? Mit diesen und weiteren Fragen habe ich mich in meiner Doktorarbeit befasst, die insbesondere Ökolabel aus den Perspektiven des Greenwashings und der Entscheidungshilfe analysiert.

Wie erforscht ein Soziologe Ökolabel?
Beobachtung, Interdisziplinarität und Literatur

Wie läuft die soziologische Erforschung von Ökolabeln eigentlich ab? Zunächst einmal muss man sehr viel lesen. Es gibt viele empirische Studien, Befragungen und auch Theorien der Nachhaltigkeit, die gesichtet, gelesen und kategorisiert werden müssen. Dabei interessieren nicht nur die reinen (Label-)Symbole, sondern auch ihr gesellschaftlicher Kontext und ihre weitere Einordnung: wer nutzt eigentlich Ökolabel und wofür? Werden Ökolabel eigentlich gut verstanden oder geht es vielleicht mehr um das gute Gefühl bei gelabelten Produkten? Hieraus bildet sich dann schrittweise ein Analyseraster, mit dem man Ökolabel erfassen und einordnen kann.

Aber auch die Erkenntnisse anderer Fächer sind hier wichtig, vor allem der Psychologie, Wirtschaftswissenschaft und nicht zuletzt auch der Naturwissenschaften. Wie alle komplexen Fragen der heutigen Zeit, lässt sich Nachhaltigkeit nicht ohne das interdisziplinäre Zusammenspiel verschiedener Fächer verstehen.

Bei all der theoretischen Vorarbeit darf aber auch die soziale Alltagspraxis nicht außer Acht gelassen werden. Hierfür binde ich einerseits bestehende empirische Studien ein. Andererseits führe ich methodische Feldstudien durch, die man teilnehmende Beobachtung nennt. Das heißt: ich gehe einkaufen und notiere mir meine Beobachtungen und Erkenntnisse. So stelle ich sicher, dass meine theoretischen Überlegungen auch immer zur gesellschaftlichen Realität passen.

Im Ergebnis meiner Arbeit steht dann eine kontextuelle und gesellschaftliche Einordnung der Ökolabel im Thema der Nachhaltigkeit und dem SDG 12.

Tobias Schnell forscht zum Nachhaltigkeitsziel 12
Tobias Schnell forscht am Nachhaltigkeitsziel 12
Tobias Schnell forscht am Nachhaltigkeitsziel 12

Nachdenken über eine nachhaltigere Zukunft

In meiner Forschung und Lehre möchte ich nicht nur die wissenschaftliche Erfassung des nachhaltigen Konsums vorantreiben, sondern Menschen auch ganz gezielte Hilfen zur Verfügung stellen, selbst nachhaltige Konsumentscheidungen zu fällen. Um die Hilfen noch besser zu gestalten, werde ich in Zukunft Studien zu diesem Thema durchführen.

Auf der konzeptionellen Seite der Organisationen steht dabei das Ziel, Ökolabel so effizient zu gestalten, dass sie leicht verständliche Informationen vermitteln, an denen man sich beim Einkauf ausrichten kann. Auf der anderen Seite der Verbraucherinnen und Verbraucher steht die Umweltbildung, ohne die Label und nachhaltige Konsumentscheidungen nicht verstanden werden können. Daher sind Austauschforen zu Umweltbildung besonders wichtig. Für mich sind diese Foren meist Lehrveranstaltungen, Vorträge und studentische Lehrforschungsprojekte. Besonders produktiv war der BNE-Kongress im Februar 2020, bei dem ich zwei Workshops mit Schülerinnen, Schülern, Lehrerinnen und Lehrern aus ganz Schleswig-Holstein durchführen durfte. Wir haben viel voneinander gelernt und einige neue Perspektiven entwickelt – und diese gemeinsamen Perspektiven sind besonders wichtig. Nur gemeinsam und in Zusammenarbeit aller Generationen können wir uns eine nachhaltigere Zukunft erarbeiten und der Erreichung des SDG 12 näherkommen.

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