Nachhaltigkeitsziel 5: Geschlechtergleichheit

Nachhaltigkeitsziel 5: Geschlechtergleichheit

Die 17 Nachhaltigkeitsziele der Vereinten Nationen

Am 28. Februar fand an der Kieler Universität ein großer BNE-Kongress für Schülerinnen und Schüler sowie Lehrkräfte statt. In mehr als 30 Workshops zu den 17 Nachhaltigkeitszielen der Vereinten Nationen haben sich die Kinder und Jugendlichen mit den Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern ausgetauscht und diskutiert. In den nächsten Wochen wollen wir mit Euch tiefer in diese Nachhaltigkeitsziele eintauchen und Euch exemplarisch zeigen, welche Forschungsprojekte oder Angebote es in Kiel zu den einzelnen Themen bereits gibt. Außerdem freuen wir uns auf Eure Ideen zum Thema.

Mädchen und MINT – na klar! Nur in vielen Köpfen ist das noch nicht angekommen

Viele Menschen glauben unbewusst immer noch, dass manche Naturwissenschaften eher für Jungen als für Mädchen geeignet sind. Diese Überzeugung kann jungen Frauen die Berufswahl in den Naturwissenschaften erschweren, auch in Deutschland. In dem BNE-Workshop von IPN-Doktorandin Anneke Steegh haben sich die Teilnehmenden mit den weltweiten geschlechtsspezifischen Unterschieden in den Naturwissenschaften befasst. Außerdem haben sie sich gemeinsam angeschaut in welchem Ausmaß diese durch kulturelle Überzeugungen verursacht werden. Ziel des Workshops war es, den Einfluss der Geschlechterüberzeugungen auf die Gesellschaft zu erklären sowie über eigene Erfahrungen und Möglichkeiten für mehr Geschlechtergerechtigkeit nachzudenken.

Auch in ihrer Doktorarbeit widmet sich Anneke dem Thema Mädchen in den Naturwissenschaften. In einem kurzen Interview hat sie uns verraten, worum es in ihrer Forschung genau geht, warum dieses Thema so wichtig ist und welche ersten Projektergebnisse es bereits gibt.

Anneke, was ist das Thema Deiner Forschungsarbeit?

In meinem Promotionsprojekt untersuche ich Geschlechterunterschiede in den ScienceOlympiaden. Dabei erforsche ich, welche persönlichen Überzeugungen, Erwartungen und Werte die Teilnahme sowie den Erfolg von Mädchen und Jungen in Schülerwettbewerben beeinflussen. Insbesondere die Rolle von Gender-Science Stereotypen, also das Gefühl, dass Naturwissenschaften eher etwas für Jungen als für Mädchen sind, interessiert mich. Diese stereotypen Vorstellungen können nämlich potentiell eine negative Auswirkung auf die Interessen und Erfolgseinschätzung von Mädchen in den ScienceOlympiaden haben.

Warum ist dieses Thema so wichtig?

Erfolgreiche ScienceOlympiaden-Teilnehmende haben oft auch eine erfolgreiche MINT-Karriere. Da die Wettbewerbe interessierte und talentierte Schülerinnen und Schüler fördern, ist es wichtig, dass sie Mädchen und Jungen gleichberechtigt unterstützen. Vielleicht können wir mit den Ergebnissen aus meinem Projekt Hinweise finden, die uns helfen, die ScienceOlympiaden besser abzustimmen ‒ sowohl auf Jungen als auch auf Mädchen.

Gibt es schon erste Ergebnisse?

Ja, erste Ergebnisse aus mein Projekt zeigen, dass weltweit weniger Mädchen als Jungen bei den ScienceOlympiaden mitmachen. Hinzu kommt, dass die Mädchen die mitmachen, auch noch weniger erfolgreich sind als die männlichen Teilnehmer.

In den deutschen Auswahlwettbewerben der Biologie-, Chemie-, und PhysikOlympiade haben sowohl männliche als auch weibliche Teilnehmende stereotypische Überzeugungen in Bezug auf die Geschlechter. Das heißt, im Mittelwert haben alle das Gefühl, dass Jungen ein bisschen besser für die Naturwissenschaften geeignet sind als Mädchen. Die Jungen wiederum haben diese Überzeugung noch stärker als Mädchen.

Weiterhin haben Gender-Science Stereotype von Teilnehmerinnen im deutschen Auswahlwettbewerb der ChemieOlympiade tatsächlich eine negative Auswirkung auf das grundsätzliche Interesse an der Chemie. Dieses Interesse zeigt aber wiederum eine positive Verbindung zu einem eventuellen Weitermachen oder erneut Mitmachen im Wettbewerb. Das könnte also heißen, dass Mädchen, die stärker das Gefühl haben, dass die Naturwissenschaften eher etwas für Jungen sind, weniger interessiert sind und damit auch nicht so gerne an ScienceOlympiaden teilnehmen.

Über das Projekt WinnerS und die ScienceOlympiaden am IPN

Annekes Forschungsvorhaben ist Teil des Projektes „Wirkungen naturwissenschaftlicher Schülerwettbewerbe“ (WinnerS). Hier untersucht sie gemeinsam mit weiteren Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern, welche Faktoren Erfolg oder Misserfolg in Schülerwettbewerben bestimmen. Auch schauen sie sich an, welchen Einfluss diese Erfolge und Misserfolg im Wettbewerb wiederum auf die kognitive und affektive Entwicklung der Jugendlichen sowie deren Berufswahl haben. Mit dem Projekt gelingt es so erstmalig erfolgreiche und nicht erfolgreiche Teilnehmende in ihrer weiteren Entwicklung zu verfolgen. Außerdem sollen die Ergebnisse dabei helfen, die verschiedenen Schülerwettbewerbe wie die ScienceOlympiaden und den BundesUmweltWettbewerb (BUW) stetig weiterzuentwickeln und auf die Bedürfnisse der Teilnehmenden anzupassen.

Mehr über das Projekt WinnerS erfahrt Ihr hier.

Und wenn Ihr Lust habt, selbst einmal an einer SienceOlympiade oder am BUW teilzunehmen, dann schaut doch mal hier vorbei.

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