Warum man über Wissenschaft reden muss?

Warum man über Wissenschaft reden muss?

Wissenschaft ist überall

In der aktuellen Pandemie erklären Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler verschiedener Fachbereiche uns Statistiken, die Wirkungen von Impfstoffen, Hygieneregeln und Verhaltensmaßnahmen, die Veränderung unserer Sprache durch die Coronakrise sowie vieles mehr. Auch die Ereignisse rund um Wahlen, Demonstrationen und Ausschreitungen werden wissenschaftlich interpretiert, ebenso wie Börsentrends und Wirtschaftsentwicklungen.

Wissenschaft ist mit allen gesellschaftlichen Entwicklungen verbunden. Warum ist das so wichtig und was macht Wissenschaft so besonders? Um diese Frage zu beantworten, muss man zum einen verstehen, wie Wissenschaft funktioniert und zum anderen, welche Rolle sie an welchen Stellen der Gesellschaft spielt. Bei uns und anderswo, in der Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft. Dazu müssen Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler nicht nur Wissen schaffen, sondern auch darüber reden.

Kommunikation ist für die Wissenschaft unverzichtbar

Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler sprechen mit Kolleginnen und Kollegen und Geldgebenden. Sie sprechen aber auch mit der nächsten Generation, also mit Schülerinnen und Schülern sowie Studierenden, mit Lehrkräften, Bürgerinnen und Bürgern oder der Politik.

Dabei müssen sie ihre spezielle Fachsprache jeweils angemessen übersetzen, um verstanden zu werden – so als ob man auf eine Reise durch verschiedene Länder mit verschiedenen Sprachen geht. Eines aber bleibt dabei stets gleich: Das Besondere der eigenen Wissenschaft muss deutlich werden!

Wissenschaftliche Aussagen basieren auf Forschungsergebnissen und -prozessen

Wissenschaftliche Aussagen basieren auf Forschungsergebnissen, sie sind überprüfbar und entwickeln sich durch neue Erkenntnisse immer weiter. Außerdem müssen sie prinzipiell allen Menschen zur Verfügung stehen. Damit unterscheiden sich wissenschaftliche Aussagen von anderen Behauptungen, für die es keine solchen Belege und Qualitätskontrollen gibt. Dies zu verstehen ist wichtig, denn nur so kann man auch die besondere Bedeutung von Wissenschaft für die Gesellschaftsentwicklung erkennen.

Gerade die Veränderbarkeit von Wissenschaft ist dabei manchmal für die Wissenschaftskommunikation auch eine Herausforderung: Haben sie nicht gestern noch dies gesagt, und heute sagen sie etwas anderes? Ja, das ist manchmal so, denn auch Wissenschaft entwickelt sich weiter. So versteht man manche Dinge besser als zuvor und muss deswegen auch Erklärungen gelegentlich anpassen. Nur deswegen kann man aber auch Ideen und Produkte weiterentwickeln. Dies gilt für Impfstoffe ebenso wie für vieles andere, etwa unsere Beleuchtung oder Fahrzeugantriebe.

Auch Fragen, von denen man heute noch gar nicht weiß, ob sie mal für alle wichtig werden, untersucht die Wissenschaft mit der so genannten Grundlagenforschung. Hier geht es darum, Zusammenhänge besser zu verstehen und auch dieses Wissen mit anderen zu teilen. Und eines Tages entstehen genau daraus vielleicht doch neue Ideen, neue Problemlösungen oder neue Produkte. In unbekannte Gewässer eintauchen und schwierige Wellen zu surfen macht Spaß, wenn man weiß, wie es geht und wo man es lernen kann. Wer weiß, was Du noch mit anderen für die Welt von morgen (er)finden kannst!

Wissenschaftliche Aussagen liefern die Grundlage für Entscheidungen in Politik und Gesellschaft

Wissenschaft selbst liefert aber stets nur die Basis. Die Entscheidung über eine Einführung oder ein Verbot, über eine finanzielle Förderung oder eine Nutzung in der Breite treffen Politik und Gesellschaft. Und letztlich entscheiden natürlich alle Menschen selbst, inwieweit sie etwa beim Kauf von Produkten und bei Verhaltensweisen wissenschaftliche Erkenntnisse heranziehen oder nicht.

Oft gibt es dabei nicht nur eine Argumentationslinie, sondern verschiedene. Dies führt manchmal dazu, dass man trotz wissenschaftlicher Erkenntnisse nicht so handelt, wie es die Wissenschaft empfiehlt. Beim Klima beispielsweise weiß man schon lange Bescheid: Die ersten Untersuchungen und Theorien zum Treibhauseffekt haben Forschende schon im 19. Jahrhundert vorgestellt! Trotzdem steigt der CO2-Ausstoß bis heute weiter, weil die Klimapolitik von vielen Interessen beeinflusst wird. Findest Du, dass hier anders gehandelt werden müsste? Wie würdest Du vorgehen, wenn Du mit entscheiden könntest?

Klassenfahrt mit dem Flugzeit ja oder nein?
Im demokratiewerk der Kieler Forschungswerkstatt versetzen sich Schülerinnen und Schüler in die Rolle von Entscheidungstragenden und diskutieren beispielsweise, ob Klassenreisen mit dem Flugzeug noch vertretbar sind.

Über Wissenschaft reden

Und bei all dem müssen Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler eben auch lernen, mit anderen zu reden. Gemeinsam arbeitet es sich viel besser an spannenden Fragen und wichtigen Aufgaben, dies hat sich auch in der Wissenschaft durchgesetzt. So kommen zum Beispiel ganz unterschiedliche Fachbereiche in Forschungsverbünden zusammen. Dort diskutieren sie mit den Kolleginnen und Kollegen, woran sie arbeiten und erkennen Wichtiges für ihre eigenen Ideen.

Genauso wichtig ist es aber, der Öffentlichkeit zu zeigen und mit ihr darüber zu reden, was Wissenschaft macht und wie jede und jeder Einzelne daran teilhaben kann. Dafür gibt es bereits viele tolle Ansätze wie faszinierende Bilder, wissenschaftliche Ausstellungen, die Nutzung sozialer Medien, die Erstellung virtueller digitaler Welten, echte Experimente zum Mitmachen und Ausprobieren sowie vieles mehr. Vielleicht brauchen wir aber auch ganz neue Formate, um noch mehr Menschen in politische und gesellschaftliche Entscheidungsprozesse einzubinden.

Wir sind gespannt auf Deine Ideen und möchten Dich mit anderen ScienceSurfern zusammenbringen, die bereits unterschiedlich viel wissen und können und Lust haben auf mehr. Und dabei ist jede Fachrichtung wichtig, ganz egal ob Du Dich für Mathe, Archäologie, Medizin, Bildung oder etwas ganz anderes interessierst. Unite behind the Science fordert Fridays for Future – Engage in Science for Society könnte Euer gemeinsames Motto sein!

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